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Der freie Mensch glaubt an die Bestimmung und daran, dass
sie seiner bedarf: sie gängelt ihn nicht, sie erwartet ihn, er muss auf sie
zugehen und weiß doch nicht, wo sie steht; er muss mit dem ganzen Wesen
ausgehen, das weiß er, Es wird nicht so kommen, wie sein Entschluss es
meint; aber was kommen will, wird nur kommen, wenn er sich zu dem
entschließt, was er wollen kann.
Martin Buber (Ich und Du)
Mein Haus
Mein Auto
Meine Yacht
Meine Frau
Wir alle kennen ihn, den smarten Herrn von der Bankenwerbung. Und wer die
gängigen Erfolgsbücher gelesen hat, der weiß auch, dass es mit
Vermögensmanagement allein nicht getan ist. Die Spatzen pfeifen es von den
Dächern: Ziele braucht der Mensch – und er muss sie ordentlich
formulieren, dann kann er alles erreichen. Und wer das nicht macht, ist
selber schuld. Dabei verschweigen die tollen Erfolgsratgeber gern etwas, was
der zielabstinente Teil der Bevölkerung intuitiv oder aus Erfahrung weiß:
Wenn die großen Ziele erreicht sind, kommt häufig der Katzenjammer. Und
die Angst vor diesem Katzenjammer verhindert, dass ich mir überhaupt Ziele
setze.
Wir meinen, dass es in Bezug auf das Thema Lebensplanung und Berufung
hier ein großes Missverständnis gibt. Hier geht es nicht um das Setzen von
Zielen. Wir alle streben nach einem Sinn, nach Erfüllung im Leben, nach
einer Betätigung, die uns entspricht. Und dabei geht es um mehr als um
irgendein Talent. Es geht um das Finden von Zielen, das Zulassen.
Ziele? Was sind sie?
Ahnung – verhüllt – aufstrahlend
in einem Leck dessen, was sie verbirgt
für Sekunden leuchtend
- Geschenk – Verlockung – Magnet – Vision –
schnell wieder schwindend und dennoch da.
In dir.
J. E. Behrendt (Es gibt keinen Weg – nur gehen)
Wenn Menschen sich in ihrer Lebensplanung beraten lassen, fragen sie
meist: "Was kann ich machen". Die Frage: "Was will ich"
wird seltener gestellt. Es ist ja auch irgendwie eine seltsame Frage, da nur
wir selber sie beantworten können.
Tatsächlich haben wir die große Freiheit, uns beliebige Ziele zu
setzen. Wir können auch lernen, das besser zu tun, was wir wollen. Wir
wissen jedoch nicht viel darüber, woher unser Wollen eigentlich kommt.
Plötzlich kommen wir in einen Bereich, auf den wir offensichtlich wenig
Einfluss haben. Wir können vielleicht tun, was wir wollen, aber wir können
nicht wollen, was wir wollen! Wer herausfinden will, was sie/er auf einer
tieferen Ebene will, sollte sich genau anschauen, was sie/er tut. Nicht das
was wir gerne tun würden oder was wir tun sollten, gibt uns Auskunft über
unsere Intention. Wichtig sind allein unsere Handlungen und das, was daraus
geworden ist:
Lassen Sie noch einmal wesentliche Entscheidungen und Wendepunkte ihres
Lebens Revue passieren. Was haben sie in diesen Situation gemacht? Was haben
Sie bezweckt? Ist es eingetreten? Oder kam es ganz anders als gedacht? Und
jetzt bewerten Sie diese Entscheidung, diese Wendung nochmals aus jetziger
Sicht. Stellen Sie sich vor, es gibt eine Absicht hinter der Absicht. Was
könnte diese Absicht hinter der Absicht gewesen sein? Welchen Sinn macht
die Entscheidung/die Wende aus Ihrer jetzigen Sicht? Wo hat es Sie
hingeführt.
Vielleicht stimmen Sie jetzt mit uns überein, dass es noch eine Instanz
hinter unserem freien Willen gibt. Und das ist gut so. Nur da wo sich
Freiheit und Schicksal begegnen, entsteht Sinn. Es ist wie in der
improvisierten Musik. Nur der erste Ton ist wirklich frei. Alle anderen
Töne beziehen sich auf diesen Ton. Nur wenn die Töne aufeinander bezogen
sind, entsteht Musik. Ich stelle meine Kreativität – meine Freiheit mit
den Tönen umzugehen – in den Dienst des Musikstückes. Es entsteht eine
enge Wechselwirkung zwischen Dienen und Gestalten und je enger diese
Wechselwirkung ist, desto mehr kann das Eigentliche – die Musik – sich
entfalten.
Doch was heißt das alles konkret? Sollen wir aufhören zu suchen,
wie es so oft heißt – uns in unser Schicksal ergeben? Leider löst das
unsere Probleme nicht, wir verwenden dann einfach ein anderes Wort und die
neue Frage lautet: Was ist mein Schicksal? Erlauben Sie sich, Träume zu
haben, die ihnen Energie geben und Bilder zu entwickeln, wie sie in Zukunft
leben möchten. Wenn Sie gleichzeitig ganz wach sind für das, was der
Augenblicklich von ihnen möchte - halten Sie doch für einen Atemzug inne
und spüren sie dem nach - sind sie sofort auf einer spannenden Reise. Ihre
Zukunft und Ihre Ziele werden zum Bestandteil einer reicheren Gegenwart und
ihre Handlungen gewinnen eine ganz neue Kraft. Das Leben beginnt zu atmen,
ihre Handlungen werden freier und doch präziser und ihre Vision stehen
nicht mehr als Ideal im abstrakten Raum sondern wird zu einer Kraft, die
jeden Moment in ihr Leben eingreifen kann. Sie wird zum Grundthema einer
sich ständig entwickelnden Improvisationen. Der Freiheitsblues der
Schicksalssymphonie.
Die Autoren arbeiten als Laufbahnberater in Göttingen und Zürich.
Weitere Artikel und Informationen finden sich im Internet unter www.visionenundwege.de
und www.fairwork.com.
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