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Gerechtigkeit – das offene Bedürfnislexikon I

Justitia - blind, mit Schwert und der Waage. (c) HHS / pixelio.de

Gerechtigkeit ist ein viel genutzter Begriff. Und sicherlich gibt es ein Bedürfnis nach Gerechtigkeit. Leider ist die Vorstellung von Gerechtigkeit stark von gesellschaftlichen Vorstellungen von Schuld und Strafe (strafende Gerechtigkeit), aber auch von einer Vorstellung von “alle kriegen das gleiche” geprägt. Beide Vorstellung behindern uns eher als dass sie zur Bereicherung unseres Lebens beitragen und das Mitgefühl fördern.

Im Namen der Gerechtigkeit wurden bereits unendlich viele Menschen umgebracht, dieses Verständnis von Gerechtigkeit dient sogar dazu, Menschen im Rahmen der Todesstrafe systematisch zu ermorden. Auch das “jeder bekommt das Gleiche”, wie es oft gerade im Umgang mit Kindern propagiert wird ist nur eine Krücke und führt selten zu echter Befriedigung. Es braucht also ein anderes Verständnis von Gerechtigkeit.

Ein wirklich befriedigender Begriff von Gerechtigkeit muss die Unterschiedlichkeit von Menschen und Situationen einbeziehen. Gerechtigkeit kann also nicht heißen, jedem das Gleiche, sondern “Jedem das seine”. Dieser Begriff von Gerechtigkeit lädt ein zum genauen Hinschauen auf die eigenen Bedürfnisse und die des Anderen. Er lädt ein zu Vielfalt und nicht zu Gleichmacherei. Er führt weg von Neid und Anklage,  hin zum verantworteten Handeln für das eigene Wohl und Glück. Mit diesem Begriff helfen uns nicht Statistiken weiter, sondern Empathie. Auch “Selbstgerechtigkeit” erhält in diesem Licht einen ganz anderen Klang. Einen solchen Begriff von Gerechtigkeit verwende ich gern.

Niklaus Brantschen weist in seinem sehr lesenswerten Artikel “Vom Vorteil gut zu sein: Die Wiederentdeckung der Tugend” darauf hin, dass dieses Prinzip “Suum cuique” schon bei den Römern als Grundlage des Rechts galt. Und er weitet den Blick auf die Gerechtigkeit im gesellschaftlichen und globalen Sinn. Dazu nennt er vier “Verpflichtungen”, die gemeinsam zu echter Gerechtigkeit auf der Erde beitragen:

  1. eine Kultur der Gewaltfreiheit und der Ehrfurcht vor dem Leben
  2. eine Kultur der Solidarität und eine gerechte Wirtschaftsordnung
  3. eine Kultur der Toleranz und ein Leben in Wahrhaftigkeit
  4. eine Kultur der Gleichberechtigung und die Partnerschaft von Mann und Frau.

Wohl gemerkt, alle, nicht nur der zweite Punkt zielen in seinem Sinn auf Gerechtigkeit.

Soweit  zu diesem Bedürfnisbegriff. Die Serie “das offene Bedürfnislexikon” wird fortgesetzt und ist nicht als endgültige Definition gedacht, sondern als Anregung zur persönlichen Auseinandersetzung und Diskussion. Gern auch als Kommentar zu diesem Artikel.

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Ein Kommentar zu “Gerechtigkeit – das offene Bedürfnislexikon I”

  1. Hi Gerhard, wir haben schon einige Zeit nichts von einender gehört, was ich vermisse. Ich hoffe, du hast für dich und Ela inzwischen Möglichkeiten gefunden, die dazu beitragen, dass ihr beide auf eine Weise versorgt seid, mit die von Verlässlichkeit und Liebe geprägt ist, für dich selbst und für Ela.

    Gerade bin ich auf der Suche nach einer inneren, klaren Position bzw. Definition in Hinsicht auf den Begriff Gerechtigkeit.
    Ich habe in mir Widerstände das Wort “Gerechtigkeit” den Bedürfnisworten zu zu ordnen. Mir scheint es so nah an dem Recht haben, richtig und falsch usw. zu sein. Ich finde damit momentan keinen Weg auf dem ich mich wohl fühle. In mir taucht die Frage auf, worum geht es denn wenn dieses Wort auftaucht? Z.B. bei Punkt zwei, “eine Kultur der Solidarität und eine gerechte Wirtschaftsordnung”. Geht es um eine Wirtschaftsordung in der z.B. um mehr Ausgewogenheit in Gehaltsstrukturen, oder geht es um Führsoge, eine Sehnsucht nach einer finanziellen Grundversorgung?
    Der Begriff “Gerechtigkeit” löst in mir Irritation aus. Mir fehlt Klarheit und Verbindung entsteht da in mir nicht. Ich habe gelesen was du dazu schreibst und in mir bleibt es so wie beschrieben. Ich möchte gerne mehr zu dem Thema “Gerechtigkeit” lesen. Wo bewegt ihr euch mit dem Begriff “Gerechtigkeit”? Bitte schreibt etwas dazu oder telefoniert mit mir. Ich wünsche mir eine innere Entwicklung und eine klarere innere Position damit. Ich freue mich drauf :-)
    Lieben Gruß
    Antje

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