Angst – Wegweiser zur Freiheit oder ins innere Gefängnis?

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In der Gewaltfreien Kommunikation sind wir es gewohnt, Gefühle als Wegweiser zu unseren Bedürfnissen zu nutzen. Im Falle der Angst bin ich der Meinung, dass wir den Wegweiser oft unvollständig deuten. Hinter Angst steckt das Bedürfnis nach Sicherheit, so eine fast schon automatisierte Schlussfolgerung. Und sicherlich ist das Bedürfnis nach Sicherheit auch angesprochen, wenn wir Angst verspüren. Ich glaube aber, dass wir die eigentliche Botschaft, die hinter der Angst steht verpassen, wenn wir beim Bedürfnis nach Sicherheit stecken bleiben. Wenn wir bei jedem Auftreten von Angst nur unsere Sicherungseinrichtungen verstärken, bauen wir uns unweigerlich unser eigenes Gefängnis. Wir schützen uns damit manchmal davor, für einen gewissen Zeitraum die Angst wirklich spüren zu müssen und bezahlen dafür letztlich einen hohen Preis. Die Angst vor der Angst bestimmt weite Bereiche unseres Lebens, die Angst hat uns und nicht wir die Angst.

 

© Rainer Sturm/ pixelio: Detail einer Sandskulptur auf dem Sandskulpturenfestival in Rorschach, Schweiz, am Bodensee 2009Wenn wir die Angst wieder in Besitz nehmen, dann passiert etwas ganz anderes. Wir lassen die Angst zu und versuchen nicht, uns vor ihr zu verstecken. Wir schauen ihr ins Auge und gehen weiter. Langsam, Schritt für Schritt, vor und manchmal auch zurück ohne unser Bedürfnis nach Sicherheit zu überfordern. Angst weist uns den Weg aus unserer begrenzten Komfortzone in den offenen und freien Raum, in dem wir uns entfalten können. „Unser Ängste sind die Drachen, die unsere größten Schätze bewachsen“ sagt Rilke und trifft damit den zentralen Punkt. Angst tritt immer dann auf, wenn wir an unsere Grenzen stoßen. Angst ist immer auch eine Einladung zum Wachstum. Da wo Angst ist, gibt es also meist auch ein Bedürfnis nach Wachstum, Ehrlichkeit, Vertrauen und manches mehr. Für Vivian Ditmar steckt in der Angst das Potential zur Kreativität.

Für einen solchen Umgang mit Angst braucht es Mut, den ich nicht als die Abwesenheit von Angst sehe, sondern die Entscheidung, dass es Wichtigeres gibt als die Angst. Mut kann also auch trainiert werden, indem ich mir immer wieder bewusst mache, was mir wichtig ist im Leben. Und indem ich immer wieder Kribbelschritte gehe: Schritte, die größer sind als bequem und kleiner als bedrohlich.

Literaturtipp

In „Die unbändige Seele“ befasst sich Michael A. Singer intensiv unter anderem mit dem Zusammenhang zwischen Freiheit und Angst.

geschrieben am 31. Mai 2012 von Gerhard Rothhaupt

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