Die Geschichte vom Königreich Weroland

Von Gerhard Rothhaupt

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Geschrieben für den Open Space zur Zukunft Witzenhausens am 16.03.02 als Einleitung und Inspiration für die Veranstaltung zur Lokalen Agenda 21 in der Stadt

 

Es war einmal ein Königreich namens Weroland. Weroland lag wunderschön inmitten von Hügeln, saftigen Wiesen, fruchtbaren Äckern und blühenden Bäumen. Ein Fluss verband das kleine Königreich mit der Welt.

Die Zeiten waren gut, die Ernte reich und die Schatzkammern des Reiches wohl gefüllt. Aus aller Welt kamen junge Menschen in das Land, um an der berühmten Schule der Hauptstadt zu lernen. Viele von ihnen blieben und bereicherten das Land mit ihrer Energie und ihren Ideen.

Zwar gab es Kämpfe und Streitereien. Es gab Zerwürfnisse und unterschiedliche Begehrlichkeiten. Doch weil die Zeiten guten waren und der König und seine Berater gerechte Menschen, konnten alle Bedürfnisse erfüllt werden. Der königliche Apparat wuchs dabei und übernahm immer mehr Aufgaben. Die Bürger lehnten sich zurück wie nach einem feudalen Mahl. Und so floss das Leben beschaulich und zufrieden dahin. Nur wenige bemerkten die dunklen Wolken am Himmel. Warnungen wurden als Kassandrarufe abgetan. Währenddessen bleiben die ersten Ernten aus und der Schatzmeister verkündete eines Tages, dass die Schatzkammern zur Neige gingen. Man hatte sich sogar schon Gold von benachbarten Königreichen geliehen.

Jetzt brach ein Hauen und Stechen los unter den Bewohnern des Landes. Jeder wollte seine Privilegien und liebgewonnenen Annehmlichkeiten schützen. Gefangen in der Angst zu verlieren, wurden viele sinnvolle Ansätze verhindert. Die Ältestenversammlung war zerstritten und auch der König wurde immer stärker zum Ziel von Angriffen. Indessen verschlechterte sich die Situation zunehmend und immer mehr Menschen zogen sich zurück. So legte sich der Nebel der Lähmung über das Land. In diesem Nebel wollte keiner losgehen und nach neuen Ufern suchen. Die es versuchten wurden von den Anderen und ihren eigenen Ängsten zurückgehalten.

So kam es dass die Menschen immer häufiger zusammensaßen und sagten: „Wir brauchen wieder einen großen Magier, der uns aus dem Nebel herausführt, so wie es in unserem heiligen Buch geschrieben steht. Einmal als sie wieder so zusammen saßen, hörte das Mädchen Sorinna zu. Sie wurde immer unruhiger. Schließlich stand sie auf und rief: „Wir brauchen nicht länger zu warten, wir alle sind Zauberer, wenn wir nur wollen.“ Stille war im Raum und alle blickten erstaunt auf Sorinna.

Das war ungeheuerlich, was sie sagte und die ersten hoben an, das Mädchen zu verlachen. Da meldete sich eine stille Frau zu Wort: „Sorinna hat Recht“, sagte sie leise und bestimmt. „Erinnert ihr Euch noch an die Zeit nach dem großen Sturm? Alles war zerstört und viele von uns verzweifelt. Aber wir haben zusammengeholfen und das Land wieder aufgebaut. Schöner und klüger als je zuvor!“

Zustimmendes Murmeln war zu hören. Langsam erhob sich der alte Janis. Er hatte viel erlebt in seinem langen Leben und er genoss hohes Ansehen. Seine Augen leuchteten als er zu sprechen begann. „Erinnert euch doch an all unsere Gaben!“ rief er beschwörend. „Wir leben in einer wunderschönen Landschaft, wir haben Menschen mit vielen unterschiedlichen Begabungen. Unser Land ist in der ganzen Welt bekannt für seinen Ideenreichtum. Schon oft haben wir etwas gewagt, was keiner für möglich hielt und immer hat es sich gelohnt. Lasst uns diese Tradition pflegen.

Die Männer und Frauen in der Runde nickten zustimmend und nachdenklich. „Laßt uns aufbrechen und zum König gehen!“ führ Janis mit fester Stimme fort. „Er soll eine große Versammlung einberufen für alle Bewohner des Landes. Dort wollen wir uns gemeinsam beraten, uns unserer Ideen besinnen und gemeinsam mit unseren Freunden und Feinden an unserer Zukunft bauen.“

So wurde es gemacht. Die Versammlung wurde einberufen und die Bewohner kamen aus allen Landesteilen. Alte Feindschaften und Vorurteile wurden beiseite geschoben. Und so entstanden Ideen und Projekte die keiner allein sich ausdenken konnte. Es wurden verschiedene Wege aus dem Nebel der Lähmung und dem Sumpf der leeren Schatzkammern erkennbar. Viele Ideen ließen sich nicht oder nur schwer umsetzen. Viel Arbeit erwartete die Bewohner, aber alle spürten, dass es sich lohnte. Und so wurde die Versammlung der erste Schritt auf dem Weg in eine reiche und glückliche gemeinsame Zukunft.

geschrieben am 11. Januar 2013 von Gerhard Rothhaupt

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Diese Geschichte wurde vom Bürgermeister zu Beginn des Open Space zur Zukunft Witzenhausens vorgelesen. Die verwendeten Bilder tauchten während der Veranstaltung immer wieder auf.

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