Die Geschichte vom Zirkus Rovanna

Von Gerhard Rothhaupt

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Eine Geschichte zu vermeintlichen Sachzwängen

 

Es war einmal in einem fernen Land. Da gab es einen Zirkus mit Namen Rovanna. Der Zirkus florierte. Überall wo er seine Zelte aufbaute kamen die Leute in Strömen und bejubelten die Artisten, Clowns und Dompteure.

Doch die Zeit verging und es kamen weniger Menschen. Die Situation war nicht bedrohlich, aber die Zirkusleute begannen, sich sorgen zu machen. Eines Abends nach der Vorstellung kam ein gut gekleideter Herr zum Zirkusdirektor Sakano. „Guter Mann“, sagte der gut gekleidete Herr. „Ihre Vorstellung ist ja ganz nett. Aber so werden Sie keine Chance haben in Zukunft. Ich bin weit gereist. Überall auf der Welt gehen die Zirkusse ein und nur die großen, die eine moderne Vorstellung bieten überleben. Sie müssen wachsen, sonst werden Sie nicht überleben.“

Der Zirkusdirektor war ein weiser Mann, der in seinem Leben viel gesehen hatte. Er hörte genau zu und fragte nach. Schließlich bedankter er sich bei dem gut gekleideten Herrn für die Fürsorge. „Ich werde Ihren Rat bedenken,“ sagte Sakano zum Abschied. Eine Woche später, in einer Stadt am Meer, platzte ein aufgeregter Mann in den Wagen des Zirkusdirektors. „Mein Name ist Dr. Dr. Marsupio. Ich bin Sternendeuter.“ Sternendeuter waren in dem Land zu der Zeit sehr angesehene Leute. „Ich habe die Sterne gründlich analysiert und ich muss Ihnen sagen: ‚ Die Welt wird sich verändern. Dank meiner modernen Geräte kann ich Ihnen auch sagen, wie sie sich verändern wird.“ Lange und ausführlich erläuterte er dem Direktor seine Ergebnisse und anschließend überreichte er eine Liste der dringend notwendigen Veränderungen. Sakano war beeindruckt. Er war ein gläubiger Mensch und versprach, den Rat zu bedenken. 3 Tage und 3 Nächte schloss er sich in seinem Wagen ein und wurde immer verzweifelter. Wenn er all die Ratschläge beachten wollte, würde der Zirkus sich so verändern, dass die Arbeit dort nicht mehr sein Herz berühren würde. Ohne Veränderung wäre sein Zirkus dem Tod geweiht.

Schließlich schlief er erschöpft ein. Im Traum fand er sich auf einer sonnigen Waldlichtung wieder. Eine alte Eule saß auf einem Ast direkt über Sakano und als er die Augen schloss, begann sie mit ruhiger Stimme zu sprechen: „Sakano,“ begann sie. „Die Zukunft ist nicht wie eine Burg, in die es nur einen gibt, der schwer zu erreichen ist. Die Zukunft ist wie ein großes Land, in dem es viele verschiedene Landschaften gibt. Je nachdem welchen Weg Du einschlägst wirst du in verschiedene Welten kommen. Entscheide dich, wo du leben willst und mach dich auf den Weg.“ Nach diesen Worten folgt die Eule auf und Sakano erwachte.

Unterwegs fasste der Zirkusdirektor einen Entschluss. Für den nächsten Morgen rief er alle Artisten, Clowns und Requisiteure zusammen. „Ich habe Euch alle zusammengerufen, “ eröffnete Sakano die Versammlung, „weil ich Eure Hilfe brauche. Die Welt verändert sich und damit auch unser Zirkus. Wir Zirkusleute sind es gewohnt, Welten für unsere Zuschauer zu schaffen. Jetzt ist es an der Zeit, dass wir eine Welt für uns gestalten, einen Zirkus, in dem wir gerne arbeiten und der auch in Zukunft erfolgreich ist. Unser Zirkus soll nicht länger Spielball sein. Wir wollen selbst zu Spielern werden im Spiel des Lebens. Wir sind anders als die Anderen und das ist unsere Stärke. Deshalb frage ich Euch: ‚Wie wollt ihr in Zukunft arbeiten‘.

Die Zirkusleute begannen, ihre Träume und Wünsche zusammenzutragen und machten aus Rovanna einen Zirkus wie es ihn nur einmal gab.

geschrieben am 11. Januar 2013 von Gerhard Rothhaupt

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Diese Geschichte habe ich geschrieben für eine Serie von Zukunftswerkstätten zum Thema „Wie wollen wir morgen arbeiten?“ Die Projektbeschreibung finden Sie hier.

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