Generativität

Vom Bedürfnis Spuren zu hinterlassen

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1950 prägte der Psychoanalytiker Erik H. Erikson den Begriff Generativität und gab damit einem alten menschliches Bedürfnis einen neuen Namen. Es geht um den Wunsch, etwas ganz Besonderes zu schaffen, um das Streben, die eigenen Werte und Erfahrungen weiterzutragen. Vielfach äußert sich all dies bewusst oder unbewusst in einem Kinderwunsch. Eltern prägen ihre Kinder, in Ihnen leben nicht nur 50 % der Gene fort, sondern auch Gedanken, Werte, Traditionen. Auch wenn dieser Prozess nur sehr bedingt steuerbar ist, so können wir doch gewiss sein, dass etwas von uns bleibt, wenn wir einmal nicht mehr sind.

Aber damit ist Generativität nicht erschöpft. Wir alle hinterlassen auch auf anderem Gebiet Spuren. John Kotres unterscheidet in seinem Buch „Lebenslauf und Lebenskunst“ (Carl Hanser) drei weitere Arten von Generativität.

Die elterliche Generativität ist häufig mit der leiblichen Elternschaft verbunden, muss es aber nicht. Hier geht es darum, Kinder großzuziehen und für das Familienleben zu „initiieren“, wie Kotres sagt. Eine weitere Form des Weitergebens ist die die Vermittlung von Fähigkeiten, Fertigkeiten, Techniken. Von dieser technischen Generativität, die vielleicht am einprägsamsten bei LehrerInnen verwirklicht ist,  wird als vierte Form die kulturelle Generativität unterschieden. Hierbei werden Überzeugungen, Werte und Theorien an die nächste Generation weitergegeben.

Haben Sie sich schon einmal überlegt, was Sie gerne weitergeben möchten, was von Ihnen bleiben soll, wenn Sie einmal nicht mehr sind?. Die Amerikaner haben den schönen Ausspruch „to make live more wonderfull“. Was ist ihr Beitrag, das Leben wundervoller zu machen?

  • Welche Überzeugungen und Werte sind Ihnen besonders wichtig?
  • Welche Ihrer Fähigkeiten und Fertigkeiten möchten Sie gerne weitertragen?
  • Was soll von Ihnen in der nächsten Generation fortleben?
  • Vielleicht schreiben Sie einen Brief an Ihren (fiktiven) Enkel oder Sie malen ein Bild dazu!

Aber natürlich geben wir nicht nur etwas weiter. Wir alle haben auch viel empfangen von den Generationen vor uns. Angeregt durch die Psychoanalyse und die 68er-Bewegung beschäftigten wir uns lange Zeit überwiegend mit den Bürden, die uns „unsere Eltern auferlegt haben“, mit den „Fesseln, von denen wir uns befreien müssen“. Darüber gerät manchmal in Vergessenheit, was wir an Positivem von den Generationen vor uns mitbekommen haben. Diese Gaben in Dankbarkeit zu würdigen ist ein großer Schritt zu innerer Freiheit.

  • Haben Sie sich schon einmal all das vergegenwärtigt, was es Ihnen ermöglicht das Leben zu führen, das sie führen?
  • Wer waren Ihre Lehrer und Vorbilder. Von wem sind sie „geprägt“?
  • Was haben Sie von Ihren leiblichen und geistigen Vorfahren mitgenommen, was Ihr Leben wunderbarer macht?

Wenn Sie ganz mutig sind, befragen Sie Ihre eigenen Eltern oder Großeltern, ihre ehemaligen Lehrer (und nicht nur die aus der Schule) darüber, was sie weitergeben wollten. Und: vergessen Sie dann nicht, zu fragen, wo dies gelungen ist und wo nicht. Aber Vorsicht: Die Antwort darauf wird vielleicht manches Ihrer Vermittlungskonzepte in Frage stellen.

Viel Spaß auf dieser Entdeckungsreise! Und wenn Sie mögen, berichten Sie mir doch von Ihren Erfahrungen.

geschrieben am 31. Mai 2012 von Gerhard Rothhaupt

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