Gewaltfrei aktiv werden – wie geht das?

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(c) Thorben Wenger / Pixelio.de

Die letzten Tage der öffentlichen Diskussion waren geprägt vom Castortransport und dem Widerstand dagegen. Auch ich war auf der Demonstration und seitdem beschäftigen mich politische (?) Fragen stärker als in den letzten Jahren. Ich möchte mit diesem Blogbeitrag Neuland betreten – ich möchte klar Stellung  beziehen zu dem, wie ich die Politik in unserem Land wahrnehme und schreibend forschen wie mein Beitrag aussehen kann, um an den herrschenden Verhältnissen etwas zu ändern. Dabei beschränke ich mich auf einige Aspekte, andere mögen in späteren Artikeln oder aber auch in den Kommentaren aufscheinen.

Mir ist aus Anlass der Demonstration am Samstag deutlich geworden, wie sehr mich die derzeitige Politik der schwarz-gelben Bundesregierung belastet. Wenn ich an den Atombeschluss, die Wiedererkundung des Salzstocks in Gorleben, die HartzIV-„Erhöhung“ uvm denke, fühle ich viel Ärger, Traurigkeit, Ohnmacht, Verzweiflung in mir. Ich sehne mich nach Unterstützung im Aufbau einer lebensdienlichen Gesellschaft. Es geht mir aber auch darum, gehört zu werden, Einfluss zu nehmen. In den großen Entscheidungen der Bundesregierung kann ich ehrlich gesagt an keiner Stelle erkennen, dass das, was mich bewegt Berücksichtigung findet. Ganz im Gegenteil: gerade der Vizekanzler Westerwelle äußert sich  immer wieder öffentlich gegen Personengruppen und Ideen, die mir wichtig sind – mit einer Wortwahl, gelinde gesagt wenig Wertschätzung erkennen lässt und die aus meiner Sicht sehr zur weiteren Spaltung unserer Gesellschaft beiträgt. Ich mache mir ernsthafte Sorgen um die Zukunft des sozialen Miteinanders bei einer Politik, die in meinen Augen  Ausgrenzung und Abwertung immer größerer Gruppen bewirkt. Lange ist bekannt, dass wachsende Ausgrenzung und soziale Schieflage zu wachsender Gewalt führen. Nicht nur auf Demonstrationen sondern auch in allen Bereichen der Gesellschaft. Mehr zu diesem Thema gibt es in meiner Zusammenfassung des Buches „Preventing violence“ von James Gilligan.

Und gerade in einer solchen Situation zunehmender Anspannung und Konfrontation möchte ich auch die Menschlichkeit der Akteure der Politik sehen, mich dafür öffnen, dass auch sie das beste tun, was sie tun können, um ihre Bedürfnisse zu erfüllen. Und ich möchte klar sagen, dass die Strategien meinen Bedürfnissen und Interessen diametral zu wieder laufen und ich das nicht mehr widerspruchslos hinnehmen werde. Jeder Tag an dem diese Politik fortgesetzt wird ist mir klar zuviel.

Früher hätte ich mich in dieser Situation in Wut geflüchtet und ich habe viel Sympathie und Hochachtung vor den Menschen, die jetzt im Wendland und sonst wo sich querstellen und dafür Prügel, Strafverfolgung und
vieles mehr in Kauf nehmen. Gleichzeitig kann ich spüren, dass dies derzeit nicht mein Weg ist. Ich möchte aus dem Schmerz und der Wut eine neue konstruktive Kraft in mir wachsen lassen. Ich möchte mit meinen Fähigkeiten als Trainer für Gewaltfreie Kommunikation aktiv werden. Möchte mutig aktiv werden ohne mich (wieder) im Aktivismus zu verlieren. Möchte klar Stellung beziehen und gleichzeitig für mehr Verbindung eintreten und nicht noch mehr Spaltung.

Aus diesem Grund werde ich in Kürze auf die Bundestagsabgeordneten in meiner Region zugehen und sie um ein Gespräch bitten. Ein Gespräch jenseits von Argumentationspingpong. Ich möchte diese Menschen wirklich hören und ich möchte gehört werden. Ich bin überzeugt, dass Veränderung möglich ist, wenn ein Mensch sich von einem anderen berühren lässt. Und ich lade die Leser dieses Blogs ein, ebenfalls das Gespräch zu suchen. Wer über den weiteren Fortgang informiert werden möchte und Anregungen für eigene Gespräche sucht, möge mir eine Email schreiben an info@visionenundwege.de.

Außerdem werde ich in diesem Blog verstärkt über sozialen Wandel schreiben, insbesondere über Ansätze, die meine Hoffnung nähren. Wer auf dem Laufenden bleiben möchte, kann sich einfach in den Kasten oben rechts eintragen und wird dann per Email über neue Artikel informiert. Auch über Kommentare und Anregungen zum Thema freue ich mich.

geschrieben am 9. November 2010 von Gerhard Rothhaupt

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2 Antworten zu “Gewaltfrei aktiv werden – wie geht das?”

  1. Dirk sagt:

    Das finde ich einen sehr interessanten Ansatz und ich würde mich freuen, hier demnächst mehr über deine Erfahrungen zu lesen!
    Ich halte ein solches Vorhaben für einen Prüfstein für das Konzept der GfK. Denn geht es bei den zitierten Entscheidungen nicht in erster Linie um Interessenkonflikte? Und kann Empathie über die persönliche Ebene hinaus auch politische Entscheidungen beeinflussen?
    Bin gespannt auf deine Erfahrungen!

  2. Tobias sagt:

    Ich freue mich sehr, das zu lesen, weil ich selbst auch schon lange daran Herumüberlege und gelegentlich Sachen ausprobiere, wie GFK und politisches Engagement verbunden werden könnten, weil es zwei Dinge, die mir sehr am Herzen liegen.

    Was meine Idee war: „Giraffenlobbyismus – EntscheidungsträgerInnen mittels GFK ansprechen, um sie darin zu unterstützen, ihre Entscheidungen zum Wohl der Welt zu fällen.“

    Ein Versuchsballon war das Anschreiben aller Landeskirchen nach dem herausgekommen war, das die Oldenburger Landeskirche bei nicht-ethischen Geldanlagen Millionenbeträge verloren hat. Die Resonanz war beeindruckend, sehr hohe Rücklaufquote, keine Formbriefe, persönliche Mails/Briefe vom Schatzmeister bis zum Bischof, zum Teil mit Ankündigungen konkreter Handlungen. Man hätte noch mehr daraus machen können, wenn man drangeblieben wäre.

    Ich habe das Thema/Anliegen auf der GFK-Tagung in Steyerberg 2009 vorgestellt. Es gab nicht viel, aber sehr wertvolle Resonanz. Einige hatten persönliches Interesse an dem Thema, aber wollten gerne eine Gruppen mit persönlichen Kontakt (die es nicht gibt). Ein überregionaler Unterstützung/Austausch bei solchen Themen entbehrte des Reizes, den es bräuchte, um aus der Vielzahl der möglichen Aktivitäten dieser einer einen genug Priorität zu geben („Entscheiden heißt verzichten.“)

    Tobias

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