Meine Art GFK zu vermitteln

und mein Blick auf die Gewaltfreie Kommunikation

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Gewaltfreie Kommunikation ist auf der ersten Ebene ein Set von Kommunikationstools, die uns helfen, uns zu sortieren und so zu kommunizieren, dass Verständigung möglich wird. Auf dieser Ebene geht es um die 4 Schritte und deren direkte Anwendung. Für mich liegt in den 4 Schritten eine Alternative zu den klassischen Fragen im Konflikt „wer hat Recht?“ und „wer ist schuld?“. Schon die formale Anwendung der 4 Schritte führt immer wieder zu erstaunlichen Veränderungen in Beziehungen.

Gleichzeitig birgt die formale Anwendung der 4 Schritte die Gefahr von formelhafter Sprache, die sich dann zu einem Kommunikationshemmnis entwickeln kann. Außerdem habe ich festgestellt, dass eine Konzentration auf die 4 Schritte leicht zu einem inneren Zensor werden kann und dazu, dass alte Muster von Perfektionismus und „Richtig und falsch“ im neuen Kleid Einzug halten. Deshalb geht es in meinen Trainings darum, die 4 Schritte zunächst v.a. als Einstieg in die Haltung der GFK zu vermitteln. Es geht beispielsweise nicht darum, „nicht mehr zu werten und nur noch zu beobachten“, sondern darum, für sich selbst herauszufinden, was es mit mir macht, wenn ich vergleiche, verurteile, Amtssprache verwende … Wenn ich den Preis einer lebensentfremdeten Sprache erkannt habe, dann kann ich die Unterscheidungen der GFK als Hilfsangebote sehen und anwenden, um in mehr persönliche Freiheit zu kommen und nicht als zu befolgende Regeln. So kann GFK unterstützen, dass ich meine eigene Wahrheit vertrete und lebe und dabei in der Lage bin, die Bedürfnisse meines Gegenübers ebenso zu halten wie meine eigenen.

Und an dieser Stelle wird GFK sehr viel mehr als ein Kommunikationsmodell. Sie ist für mich auch ein Weg zur Befreiung unserer Lebensenergien. Sie ist praktische Umsetzung des biblischen Grundsatzes von „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“. Sie ist ein Weg zu immer mehr Bewusstheit über mich und mein Eingebundensein in die Welt und hat damit auch eine ganz klar spirituelle Dimension, wenn ich das will.

Und dann ist sie wieder praktisches Handwerkszeug, um Lösungen zu finden, die für alle funktionieren, um in inneren und äußeren Konflikten zu navigieren, um ein wertschätzendes Miteinander zu erleichtern, aber auch um für echten tiefgreifenden sozialen Wandel einzutreten. Auch dieser letzte Aspekt ist für mich zentral. Marshall Rosenberg wählte den Begriff „Gewaltfreie Kommunikation“ bewusst, um seine Arbeit in die Tradition Gandhis zu stellen und machte immer wieder sehr deutlich, dass es auch um die Veränderung von Strukturen und Systemen geht, wenn wir in einer Welt leben wollen, in der die Bedürfnisse aller zählen. Gewaltfreie Kommunikation ist für mich immer auch radikal und inkompatibel mit der Art wie wir traditionell Macht sehen und ausüben.

Marshall Rosenberg sagte einmal, dass die Gewaltfreie Kommunikation vier Elemente beinhaltet:

  1. Kommunikationsfähigkeiten
  2. Sprache
  3. Bewusstheit
  4. Mittel, um Einfluss zu nehmen

Für mich liegt die Stärke der GFK darin, all diese Dimensionen zu beleuchten und zu verbinden und genau das versuche ich in meinen Trainings. Dabei bleibt selbstverständlich die Freiheit, dass jedE sich die Ebenen aussucht, die für sie gerade passend ist. Diese weite Spanne der GFK heißt für mich aber auch, dass es in einem Training nicht nur darum gehen kann, die GFK zu „vermitteln“, sondern auch darum, sie zu leben und erlebbar zu machen. Deshalb setzen viele der angebotenen Übungen an persönlichen Erfahrungen an und es ist Raum für das, was gerade lebendig ist in Einzelnen und der Gruppe. Das kann manchmal auch anstrengend sein und Ausdauer erfordern – wie im „echten Leben“. Es ist dann wunderbar zu erfahren, wie viel mehr Leichtigkeit und Lebendigkeit entsteht, wenn das, was die Menschen wirklich beschäftigt, auch behandelt wird und wenn ein Training ein sicherer Raum ist, in dem Einzelne und die gesamte Gruppe Schritte wagen, die größer sind als bequem – und kleiner als bedrohlich.

Dafür trete ich ein und deshalb heißt unsere Jahresausbildung auch „Abenteuer Ehrlichkeit und Einfühlung“. Es ist ein Abenteuer, eine Reise auch ins Neue und ins Ungewisse. Es geht eben nicht nur um Einfühlung, sondern auch um Ehrlichkeit, wenn ich mein Leben wirklich immer kompletter leben will. Und Ehrlichkeit, die nicht verletzt, will gelernt sein.

Damit all das geschehen kann, ist ein sicherer Rahmen nötig. Deshalb lege ich viel Wert auf den Aufbau einer warmen, untersützenden Gemeinschaft. Die Teilnehmerstimmen zeigen, dass unser Konzept in der Regel zu tief greifendem Wachstum und zu wichtigen Veränderungen im Leben führt.

 

Was GFK (für mich) nicht ist

  • eine geschickte Manipulation um durchzusetzen was ich will. Vielmehr ist das Ziel der GFK, eine Verbindung aufzubauen, in der die Bedürfnisse aller gleichermaßen zählen.
  • eine Möglichkeit, nett zu sein und Konflikte zu vermeiden. Ein wichtiger Grundsatz der GFK heißt für mich „sei nicht nett, sei echt“. Und Marshall Rosenberg warnte immer wieder davor, dass wir „nette, tote Leute“ würden, wenn wir uns zu sehr auf das „nett sein“ konzentrieren.
  • ein Allheilmittel. GFK ist ausgesprochen machtvoll und doch kommen wir als Menschen immer wieder an unsere Grenzen und es gilt für mich auch, diese zu akzeptieren und liebevoll zu umarmen. Kein GFK-Trainer, den ich kenne, hat alle seine Probleme gemeistert und ist in jeder Situation in der Lage, vollkommen im GFK-Bewusstsein zu leben. Marshall Rosenberg sagt es auf seine schnodderige Art „In der GFK geht es nicht um perfekt sein, sondern darum, immer ein bisschen weniger dumm zu werden“

 

(1) „Die Welt von der unser Herz weiß, ist möglich“, ist der Titel eines Buches von Charles Eisenstein, das ich sehr empfehle

geschrieben am 24. September 2017 von Gerhard Rothhaupt

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