nav-left cat-right
cat-right

Zeit für mich

Andreas Hermsdorf / pixelio.de

Andreas Hermsdorf / pixelio.de

Von Mitte März bis Mitte August 2016 mache ich eine „Zeit für mich“ und lasse meine Seminar- und Bürotätigkeit ruhen. Hier schreibe ich über meine Motivation und die Konsequenzen für den Seminarbetrieb.

Die „Zeit für mich“ soll eine Zeit werden, in der ich den leisen Stimmen in mir lausche, die so oft von der souveränen Stimmen meines etablierten Lebens übertönt werden. Ein Freund von mir reagierte fast ein wenig verärgert als ich ihm von meinen Plänen erzählte: „Du hast so ein geiles Leben! Was willste denn noch?“ Und ich kann das gut verstehen. Ich habe einen erfüllenden wunderbaren Beruf, viele Freunde, zwei tolle Kinder, Menschen, die mich lieben, jetzt sogar das Glück, eine Enkelin ins Leben begleiten zu dürfen. Ich habe so viel bessere Bedingungen als so viele andere Menschen. Und dafür bin ich enorm dankbar. Und ich habe keinen Burnout. Ganz im Gegenteil. Ich fühle mich kraftvoller als über lange Zeit.

Und doch ruft etwas. Es ist gar nicht so sehr, dass etwas fehlt, mehr dass es ruft und ich es nicht fassen kann so lange ich eingebunden bin in meinen Alltag. Ich kann spüren, dass ich mich zu viel eingerichtet habe in auf die Dauer zu faulen Kompromissen, dass es Richtungsentscheidungen braucht, vor denen ich mich verstecke, dass Aufgaben auf mich warten, die abseits der Autobahnen meiner bisherigen Lebensorientierung sind, dass ein zu großer Teil meines Lebenshauses unbewohnt ist. Ich will den Faden aus meiner eigenen Zukunft ergreifen und mich von dem noch unsicheren Erahnen meiner Zukunft führen lassen statt weiter die Vergangenheit fortzuschreiben und zu variieren. Ich spüre, dass es dazu neue Fähigkeiten braucht und Raum dafür, dass sie sich entwickeln können, neue Impulse, die nicht nur am Rand mein etabliertes Leben streifen. Eine Mischung aus intensiver neuer Erfahrung in Gemeinschaft und Stille. Es geht um gelassene Radikalität. Mein Namenskollege Gerhard Gundermann hat über den Teil der Radikalität ein wunderbares Lied geschrieben „Keine Zeit mehr“, dass vieles ausdrückt was in mir ist

Ich freue mich auf diese Zeit und stelle fest, dass es mir auch Angst macht. Die Aussicht auf Neues ist auch verbunden mit der Angst, lieb gewonnenes zurück lassen zu müssen. Aber auch der tiefen Angst davor, wirklich mein Leben zu leben. Da gibt es immer noch die Stimmen, die flüstern „du bist egoistisch“. Letztlich die so tief in unsere Gesellschaft und mich eingeschriebene Überzeugung: „Du wirst nur geliebt und kannst nur überleben, wenn du dich verbiegst.“ Und dieser Überzeugung will ich immer weniger Kraft und Glauben schenken, will immer mehr mein Leben in gelassener Kompromisslosigkeit leben und Erfahrungen machen, die mich darin bestärken.

Ich bin gespannt, wo mich diese Reise hinführen wird und werde hier berichten.

 

Und hier sind die praktischen Konsequenzen, die diese „Zeit für mich“ für meine Seminar- und Beratungstätigkeit hat:

  1. Die letzten Seminare vor der Zeit für mich sind:
    die Tagung „Kommunikation, die verbindet“ vom 4.-6.3. am Osterberginstitut und
    die Einführung „Wut und Ärger produktiv nutzen“ vom 18.-19.3. ebenfalls am Osterberg.
  2. Die Jahresausbildung „Abenteuer Ehrlichkeit und Einfühlung“ am Osterberginstitut beginnt erst im Juni. Den ersten Block wird Kirsten zusammen mit AssistentInnen übernehmen.
  3. Der Start des Fortgeschrittenentrainings „Mit GFK leben und arbeiten“ wird auf 8.-12. Oktober verschoben.
  4. Meine Teilnahme an der Familienfreizeit im Juli ist derzeit noch ungewiss.
  5. Ich werde keine Coachings und Beratungen durchführen.
  6. Ich werde mir die Freiheit nehmen auch mal längere Zeit nicht in meine Email zu schauen und auch mal Emails unbeantwortet lassen.

 

Alle Termine ab Mitte August finden wie geplant statt.

 

7 Kommentare zu “Zeit für mich”

  1. Lieber Gerhard,
    mich berührt was du hier schreibst,die Ehrlichkeit, dir selbst und dem Leben gegenüber die ich darin wahrnehme. Und zugleich merke ich ein tiefes „Ja!“ zu Deiner Aussage „… den Faden aus meiner eigenen Zukunft ergreifen.“ Ich glaube, dass ist der wirkliche Wandel dem wir alle unterliegen – jeder in seiner Weise, zu seiner Zeit. Ich merke, mit den ersten Ereignissen dieses Jahres: Ich bin dabei, den Faden aus der Zukunft zu ergreifen. Dein Text ist so eine wunderbare Ermutigung diesen Weg zu gehen, sich zu erkennen und bestätigt zu fühlen. Dankeschön. Zugleich nährend, dass wir viele sind die auf diese Weise Wandel in dieser Zeit gestalten, hin zu einer Welt die mehr aus der inneren Schöpfung und weniger aus der Fortschreibung der Vergangenheit gestaltet ist.
    Ich wünsche Dir von Herzen für diese Zeit Abenteuer, Ehrlichkeit und Erkenntnis getragen von reichlich Herzensfreude und Mut

    Beste Grüße

    Enno

    Enno

  2. Gerhard Rothhaupt sagt:

    1000 Dank!
    Gerhard

  3. Volker Groß sagt:

    Lieber Gerhard,
    ich freue mich für Dich, dass Du Dich traust, trotz der lauten inneren Stimmen der einen leisen zu vertrauen.
    Den Gedanken kenne ich: dass ich doch schon so ein tolles Leben ohne Stress von Außen habe, was ich denn noch mehr will.
    Ich habe seit Herbst angefangen, besonders bewusst Dinge und Verhaltensweisen aufzugeben, die Spiele aufzuhören, soweit es mir möglich ist. Ein befreiender Beschluss!
    Alles Gute für Deine Auszeit
    vom
    Volker aus Niederkaufungen

  4. Gerhard Rothhaupt sagt:

    Vielen Dank!
    Gerhard

  5. Rolf sagt:

    Hallo Gerhard,
    Respekt und Dank für Deinen Schritt und die Öffentlichkeit. Es scheint kein leichter Schritt zu sein und vor solchen habe ich Respekt. Buddha soll gesagt haben: Hast Du zwei Wege zur Wahl, wähle den schwierigen! In dem Sinne…
    Dank für die Anregung inne zu halten. Ich habe so in mir nachgespürt, welche Fäden ich da gerade in den Händen halte. Es sind solche von gestern, heute und morgen! Auf den ersten Blick. Aber ich werde vor allem achten auf die leisen Stimmen – meine sind so laut, dass ich leise noch gar nicht in Betracht gezogen habe…
    Dank auch für Dein Teilen!

    Sei gedrückt
    Rolf aus Sagau

  6. Gerhard Rothhaupt sagt:

    Hallo Rolf,
    herzlichen Dank für deinen Kommentar. Das Schöne ist, dass es sich nicht schwer sondern eher „nicht leicht“ anfühlt über die Schwelle zu gehen. Und das was ich dahinter spüre weckt meine Neugier auf mich ausreichend um den Schritt zu gehen. Mut ist nicht die Abwesenheit von Angst, sondern die Bewusstheit, dass es Wichtigeres gibt als die Angst.

  7. Friedrich sagt:

    Jepp. Ich schließ dich in mein Abendgebet mit ein.
    Bis später dann!
    Friedrich

Schreibe einen Kommentar