Natur, Ritual und Selbsteinfühlung

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Letzte Woche hatte ich wieder so eine Phase, wo ich es schwer hatte, wirklich mit dem in Kontakt zu kommen, was in mir los war. Was blieb war ein Gefühl der Leere und Antriebslosigkeit. Die freie Zeit, die ich hatte, nutzte ich nicht etwa für produktives Arbeiten oder andere erfüllende oder entspannende Aktivitäten,  sondern verdattelte sie hier und da, was meine Unzufriedenheit – wunder oh wunder – noch gesteigert hat. Freunde anzurufen hatte ich keine Lust, weil ich nicht wirklich reden wollte und schon gar nicht wusste, wie ich den Anfang machen sollte, dass das Gespräch in meinem Sinne verliefe. Gestern endlich bin ich auf den Trichter gekommen, das zu tun, was mir in diesenSituationen meistens hilft und ich habe es auf eine neue Art und Weise getan, die ich hier mit euch teilen möchte.

Ich möchte das, was ich getan habe, eine rituelle Naturbegegnung mit mir selbst nennen.

Natur und SElbsteinfühlung

Ein Symbol?

Angeregt durch schamanische Seminare, bin ich nicht einfach im Wald spazieren gegangen, sondern habe mich vorher entschlossen, mich von den Symbolen, die ich sehe führen zu lassen. Los ging es schon damit, dass ich mir vorher einige Fragen, die mich beschäftigen aufgeschrieben habe, um sie wirklich zu fassen. Eine solche Frage könnte auch einfach heißen „Was ist los mit mir?“. Diese Absicht habe ich mir nochmals bewusst gemacht, bevor ich an einer Stelle in den Wald getreten bin, die für mich wie ein Tor wirkte. Den weiteren Weg, wiesen mir nicht die vorhandenen Waldwege oder Schilder, sondern das was meine Aufmerksamkeit angezogen hat, mal nah, mal fern. So ging es kreuz und quer durch den Wald. Wieder und wieder hielt ich inne, um mich mit meiner Umgebung zu verbinden. Konkret hab ich einfach auf das geachtet was es zu sehen, zu hören, zu riechen, zu spüren, zu schmecken (ja auch das!) und vor allem zu fühlen gab. Innerhalb kürzester Zeit änderten sich meine Gedanken, kümmerten sich viel mehr um das was in mir war als um das, was da draußen los ist. Ich blieb stehen an riesigen Baumstümpfen, die für mich zum Symbol für Kraft wurden, mein Blick wurde eingefangen von einem Ensemble tanzender welker und wunderschön transparenten Buchenblättern, die mich daran erinnerten, dass das Leben ein Tanz sein kann. Bei weitem nicht zu allem, was meine Aufmerksamkeit anzog, hatte ich gleich eine Erklärung und Übersetzung parat. Und gerade das zuzulassen war sehr wertvoll. Einfach nur sein und dem folgen, was gerade ist ohne Erklärungszwang, ohne dass es gleich eine sensationelle Erkenntnis birgt etc. Im Ergebnis fühlte ich mich nach einigen Stunden draußen gestärkt, war in Kontakt mit mir, spürte sehr viel genauer, was mit mir los war und hatte zu allen meinen Fragen zumindest einen Klärungsschritt gemacht – überwiegend ganz nebenbei und unspektakulär.

Das Unbewusste anzapfen

Für alle, die es gern etwas wissenschaftlicher haben wollen: Unser Unbewusstes filtert aus unendlich vielen Eindrücken, das heraus, was ihm als relevant für uns und unsere Situation erscheint. Nur dieser kleine Teil der aufgenommenen Situation dringt in unser Bewusstsein. Das heißt, dass alles was unsere Aufmerksamkeit anzieht, hat auch eine Relevanz für uns, unklar bleibt nur welche. Unser Unbewusstes „spricht und denkt“ nicht in Wörtern, sondern in Symbolen, Bildern, Assoziationen und Gefühlen. Wenn wir also auf die Symbole achten kommen wir automatisch in Kontakt mit unserem Unbewussten und mit unseren Gefühlen und damit auch unseren Bedürfnissen.

Für alle, die eher poetische Erklärung mögen: Viele Indianer und andere Völker gehen davon aus, dass wir uns unsere Welt erträumen. Das heißt auch, dass alles was wir wahrnehmen einen unmittelbaren Bezug zu uns hat.

Tipps zur Durchführung

Für alle, die es auch mal ausprobieren wollen, hier noch einige Tipps:

  1. Setze dir eine Absicht und sei es auch „nur“, dass du dir klar werden willst, was mit dir wirklich los ist.
  2. Lass die Absicht wieder los, falls dir das möglich ist und lass dich von dem leiten, was deine Aufmerksamkeit in der Natur anzieht.
  3. Wenn du dir unklar bist, folge einfach deinem ersten Impuls. Wenn Gedanken kommen wie „so ein Quatsch“ oder „ist das jetzt wirklich mein erster Impuls?“ lass sie zu und folge trotzdem dem Impuls
  4. Halte immer wieder inne,  frage dich, ob du noch atmest, überprüfe es und nimm dann deine Umgebung und dich selbst wahr.
  5. Nimm auch ein Stolpern, ein Zögern, Ausrutschen etc. als Gelegenheit in dich hinein zu spüren, was gerade in dir los ist und um besonders auf deine Umgebung zu achten.
  6. Setz dich auch mal hin, komm zur Ruhe. Besonders schön ist auch der Quantenflirt: Kneife die Augen leicht zusammen, lass deinen Blick leicht unscharf werden und spiele mit den Bildern, die dann entstehen.
  7. Mir hilft es oft, unmittelbar Kontakt mit den Bäumen aufzunehmen, die in der indianischen Tradition durch ihre hohe Aufrichtung eine besondere Verbindung zu uns Menschen haben (jedenfalls haben die Menschen schon seit Urgedenken eine besondere Beziehung zu den Bäumen).
  8. Nimm dir mindestens drei Stunden Zeit. Such dir eine Ecke aus, die wenig frequentiert ist, Wald ist für mich besonders geeignet. Wenn es dir möglich ist, gehe nüchtern (ohne essen:)) los und iss auch während der Zeit nichts.
  9. Mitnehmen: Hilfreich kann auch etwas zu schreiben oder malen sein, ebenso eine Unterlagen zum hinsetzen oder hinlegen, etwas zu trinken, geeignete Kleidung – das war’s auch schon.
  10. Nicht mitnehmen: Handy, Ipod, Lesestoff.

geschrieben am 29. März 2010 von Gerhard Rothhaupt

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